Gestern habe ich meinen bald 14-jährigen Sohn gezwungen, mit mir eine Runde im Wald zu drehen.

Nicht, dass Sie meinen, ich sei so eine Tigermom, die ihre Kinder zu Aktivitäten zwingt, ohne dass diese wollen. Aber ich hatte den Eindruck, dass wir trotz viel Zeit zu Hause wenig voneinander mitgekriegt hatten die vergangenen Tage.
Ich wollte etwas Zeit mit ihm verbringen, um zu merken, was ihn bewegt, wie es ihm geht, einfach um ihn «chli zu spüren», wie ich manchmal zur Belustigung meiner Kinder sage.

Widerwillig schritt er mit mir von dannen und ich konnte ihm ansehen, dass er mehr als keine Lust auf diesen Waldspaziergang hatte.
Dann fragte ich ihm nach seinem neuesten Skin bei Fortnite. Er schaute mich von der Seite an und seine Miene erhellte sich. Leidenschaftlich erzählte er mir, was er alles neu gelernt hat beim Spiel, welche Skins und Moves er erworben hat und was ihm so gefällt, wenn er mit seinen Freunden gamen und gleichzeitig über alles Mögliche reden kann. Der Spaziergang dauerte nur eine halbe Stunde. Aber wir waren uns nah, ich habe etwas von ihm mitgekriegt und wir waren in Beziehung.

Am Schluss fragte ich ihn: «Sag mal, warum warst Du eigentlich so mies drauf am Anfang? Hast Du gemeint, ich wolle ein pädagogisches Gespräch führen?» Er grinste mich an und wir gingen zurück nach Hause.

Maya Zettler, gerne im Wald unterwegs